Öffentlich glauben

Miroslav Volf

Mit einem Vorwort von Heinrich Bedford-Strohm

Öffentlich glauben

in einer pluralistischen Gesellschaft

Mit einer Einführung von Tobias Faix & Tobias Künkler

ISBN: 978-3-86827-538-4

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Die Säkularisierungsthese des 19. Jahrhunderts ist also nicht eingetroffen. Demnach hätte Religion langsam aufhören sollen, sobald Bildung, Technik und andere Faktoren ausreichend vorhanden wären. Im 21. Jahrhundert scheint genau das Gegenteil der Fall zu sein. Die Religionen gewinnen an Bedeutung und sogar die neuesten Technologien sind darin eingebunden, wenn es um die Verbreitung der Religionen geht.

Miroslav Volf unterscheidet in allen Religionen zunächst zwischen einem “dicken Glauben” und einem “dünnen Glauben”, und zeigt auf, dass in der Öffentlichkeit hauptsächlich der “dünne Glaube” wahrgenommen wird. Viele Mitglieder der Religionsgemeinschaften sehen in ihrer Religion nur mehr die funktionierende Reduktion des Glaubens. Hierin dient der Glaube bzw. Gott oder “Götter” nur der Verwendung um seinen eigenen Lebensstil zu rechtfertigen bzw. die persönlichen Ziel zu erreichen.

Anhand der Liebe erklärt der Autor welche Tendenzen in der Gesellschaft zu sehen sind. Im Laufe der Geschichte ist diese Liebe geschrumpft, von der Liebe zu Gott, zur Liebe zu den Menschen bis zur heute vorherrschenden Eigenliebe. Er ermutigt jede Generation, die Themen Gott, Glaube und Religion neu zu überdenken.

Große Teile des Buches widmet er dem Umgang der Religionen und deren Anhängern in der Nachbarschaft. Er setzt sich dabei mehr für ein “friedliches Nebeneinander” ein als für ein “gezwungenes Miteinander”. Wir sollten nicht krampfhaft Gemeinsamkeiten suchen, welche zwar oberflächlich da sind, jedoch keine gemeinsame Kernverbindung haben.

Öfters zitiert er Islamische und Jüdische Denker, deren Gedanken auch von Menschen, die an Jesus glauben, kommen könnten. Aufgrund dieser Wertschätzung sollte Friede möglich sein, ohne sich einerseits religiös verpflichtet zu fühlen oder anderseits gute Aussagen aufgrund der Religionszugehörigkeit in Frage zu stellen.

Volf empfiehlt eine “respektvolle Grenzpflege”, einen großzügigen Umgang  mit den Besonderheiten und eine Betonung auf Geschenke und die Gastfreundschaft. Ein “Wettkampf der Liebe” sollte öffentlich ausgetragen werden.

(kleo)

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