Die Welt ist nicht genug

Brigitte Theophila Schur mit Olav Hanssen jun.

Die Welt ist nicht genug

Olav Hanssen – ein Pilgerleben

ISBN: 978-3-03848-069-3

 

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Die Kombination von Titel und Untertitel fand ich so spannend, dass ich dieses Buch unbedingt lesen wollte.  Überrascht war ich gleich vom Format, welches eher an ein Schulheft erinnert, als an eine Biographie. Als ich die vielen Fotos sah, verstand ich die Motivation zu dieser Größe. Wenige Menschen, vor allem welche bereits 1915 geboren sind, können ihr Leben so gut dokumentieren. Olavs Großeltern werden schon beschrieben, seine Muter wurde in Deutschland geboren, wo sie ihr Vater, welcher aus Norwegen kam, im elterlichen Betrieb kennenlernte. Als begabter Schüler war für Olav klar, diesen Betrieb zu übernehmen. So hat er mit dem Maurerberuf zunächst das Handwerk gelernt und dann schulisch den Bauingeneur gemacht. In seinem persönlichen Leben gab es schon sehr früh ein einschneidendes Erlebnis. Bereits mit 15 Jahren kam er zu einer logischen Schlußfolgerung. Sollte das Leben zufällig entstanden sein, wäre es, zusammen mit dem ganzen Universum, letztlich ohne Sinn. Nur wenn es einen Schöpfer gibt, der uns mit einer bestimmten Absicht gemacht hat, könnten wir diesen Lebenssinn kennenlernen. Olav hat sich für die 2. Variante entschieden und damit ein konsequentes Glaubensleben begonnen. Dadurch erlebte er eine ganz spannende Jugendzeit mit vielen Aktivitäten im Bereich von Jugendstunden, Jugendlagern und Studentengruppen. Seine Begabung Freundschaften zu schließen war sicher außerordentlich. Viele Jugendfreunde wurden lebenslange Begleiter. Besonders eindrücklich wird auch die Zeit des 2. Weltkrieges beschrieben, welche mich ein wenig an Viktor Frankl in “Trotzdem ja zu Leben sagen” erinnert. Während viele Kameraden immer rauher wurden, hat Olav versucht, die schwersten Stunden der Kriegsgefangenschaft mit Dankbarkeit anzunehmen. Die Erfahrung, völlig ohne Besitz, hungernd einen Tag nach dem anderen zu überleben hat ihn näher zu Gott gebracht und ihn für den Rest seines langen Lebens geprägt. Nach dem Krieg durfte er ein paar glückliche Jahre mit seiner Frau Barbara verbringen, welche mit 46 Jahren viel zu früh starb. Schon vorher bat er seine Eltern, ihn vom Baugewerbe freizustellen um eine akademisch theologische Berufslaufbahn einzuschlagen. Viele Jahre hat er selber unterrichtet und Lehranstalten geleitet. In vielem war er seiner Zeit voraus, so ist er schon früh Vegetarier geworden und hat sich für einen einfachen Lebensstil eingesetzt. Besonders verbunden war er mit der Natur, auch weil er bemerkte, dass Jesus sehr viel Zeit draußen verbracht hat. Mit dem Schluss des Buches habe ich persönlich eher Mühe. Hier ist die Biographie von Olav Hanssen klösterlich kirchlich geworden. Anderseits verstehe ich auch, dass ein Mensch, der so alt werden durfte, sich ganz von der Welt zurückziehen möchte. Vielleicht war das auch der Grund, warum einige Weggefährten hier nicht mehr mitgingen.

 

(kleo)

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