In den Steppen Sibiriens

Gerhard Fast

In den Steppen Sibiriens

ISBN: 978-3-86203-071-2

137Als gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Lebensbedingungen der Mennoniten in Preußen immer härter wurden, entschlossen sich viele von ihnen zur Auswanderung. In Rußland wurden zu dieser Zeit Menschen gesucht, welche weite Landstriche für die Landwirtschaft erobern sollten. Die Mennoniten waren für diese Aufgabe bestens geeignet, bekamen günstige Ländereien und wurden als Pazifisten vom Wehrdienst freigestellt. Die ersten Ansiedlungen entstanden entlang der Wolga und in der heutigen Ukraine. In den folgenden 100 Jahren wuchs die Zahl der Mennoniten in Rußland auf etwa 45.000.

Unsere Geschichte “In den Steppen Sibiriens” handelt jedoch schon Anfang des 20. Jahrhunderts. Tausende Mennoniten waren auf dem Weg nach Osten um weitere Siedlungsgebiete zu gründen. In der Kulundasteppe, entlang der Grenze zu Kasachstan entstanden über 50 Dörfer. Im Jahr 1907 begann die Ansiedelung, der Autor Gerhard Fast war als Fünfzehnjähriger mit seiner Familie dabei.

Die ersten Jahre in der Nähe des Altai-Gebirges waren extrem hart und von Entbehrungen geprägt. Die Winter waren lange, schneereich und bis zu minus 40 Grad kalt. Als erstes bauten die neuen Siedler Höhlen zum Wohnen. Dafür wurden Grasmatten geschnitten und als Wände verwendet. Mensch und Tier litten an Hunger und Kälte. Erst nach der ersten Ernte waren Erleichterungen spürbar.

Innerhalb von 10 Jahren sahen die Dörfer bereits einladend aus, mit Pappeln als Schattenspender und Gemüsegärten vor den Häusern. Erste Mühlen, Handwerksbetriebe und Geschäfte entstanden. Mit den russischen Nachbardörfern gab es freundliches Einverständnis und gute Handelsbeziehungen. Auch die Eisenbahnlinie kam immer näher und so stand dem Aufschwung dieser Steppenregion nichts mehr im Wege. Bis … 1918 die “Oktoberrevolution” kam und dem ganzen Land eine andere Richtung gab.

Die Bauern wurden nun als Kapitalisten betrachtet und für die Mennoniten begann wieder die Verfolgung. Etliche wurden enteignet, gefangen genommen und in Arbeitlager gesteckt, wo sie bald darauf starben. Familien wurden zerrissen und viele versuchten zu fliehen. Kanada und manche Länder in Lateinamerika waren die neuen Ziele.

In dem Buch kommen viele Menschen zu Wort um ihre Geschichte zu erzählen. Bei manchen gibt es Überschneidungen welche die Richtigkeit bestätigen. Generell haben die Mennoniten viele historische Aufzeichnungen, welche in Monatszeitschriften gesammelt wurden. Die erste Ausgabe dieses Buches erschien 1957, genau 50 Jahre nach dem Beginn der Ansiedelung in der Kulundasteppe.

(kleo)

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