Alles kann ein Herz ertragen

Charlotte Hofmann-Hege

kleozeitung

Die weite Lebensreise der Elisabeth Thiessen

“Alles kann ein Herz ertragen”

 

Elisabeth Muselmann muss als Kind das Sterben ihrer Eltern miterleben. Nach einigen Jahren bei der Großmutter, zieht sie als Fünfzehnjährige mit ihrem Onkel und dessen kinderreichen Familie in die Ukraine. Dort haben sich viele deutsche Familien angesiedelt und es zu einigem Wohlstand gebracht. Liesel, wie sich Elisabeth auch selbst nennt, soll für 2 Jahre bleiben, das war im Jahr 1912. Doch 1914 bricht der 1. Weltkrieg aus und Liesel gelingt es nicht mehr, nach Hause zu kommen. Durch die Revolution in Russland werden die Deutschen zu Verfolgten. 25 mal muss Liesel flüchten, etliche Male wird sie vertrieben. Immer wieder darf sie Unterschlupf bei anderen Russlanddeutschen finden. Aus einer dieser Familien kommt auch Wanja, ihr späterer Ehemann.

Das Buch schildert ein Leben voller Not und Entbehrung, ein Leben in Krankheit, Hunger und Leid. Liesel bekam 5 Kinder, das älteste wurde nur 5 Jahre, alle starben an Krankheit, fehlenden Medikamenten und der sibirischen Kälte. Oft hatten sie als Familie nur ein Erdloch zum wohnen, andere Male waren sie zu Acht in einem Zimmer. Ein Buch welches uns Zufriedenheit lehren kann. “Es geht uns wirklich gut” hat ein Freund von mir gesagt, nachdem ich ihm von diesem Buch erzählt habe.

In all dem Leid wird aber jede noch so kleine Freude so ein Lichtblick, die herzliche Liebesgeschichte zwischen Wanja und Liesel Thiessen steht im Kontrast zu dem leidvollen Leben der beiden. Opa Jakob Thiessen wird als demütiger, herzlicher Ruhepol der Familie beschrieben, ein Mann der im schwersten Leid noch ein ermutigendes Wort sagen kann.

Immer wieder hatten die Thiessens Ausreisepläne, jedes Jahr verhinderte eine andere politische Situation dieses Vorhaben. So wurden aus den geplanten 2 Jahren ganze 55 Jahre, bis Liesel als pensionierte Witwe 1967 wieder nach Deutschland zu ihren Verwandten kam. Trotz der jahrelangen Sehnsucht war es aber dann gar nicht so leicht, nach so langer Zeit wieder Fuß zu fassen.

Manchmal stellt sich die Frage nach der Führung und Fügung im Leben. Liesel hatte eine extrem notvolle Zeit in Russland, dafür aber hat sie beide Weltkriege nur aus weiter Entfernung miterlebt. Liesel hatte einen schweren Unfall mit vielen Knochenbrüchen, sogar der Wirbelsäule, dafür musste sie danach nicht mehr in dem gefährlichen Kohlebergwerk arbeiten …

Ein trauriges, schweres und trotzdem notwendiges Buch. Besonders auch um die Geschichte der vielen tausenden Russlanddeutschen und die Beziehung zwischen Deutschland und Russland zu verstehen.

(Leopold Kleedorfer)

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