In den eisigen Tod

Diana Preston

In den eisigen Tod

Robert Falcon Scotts Expedition zum Südpol

ISBN: 978-3-421-04454-9

136Bis vor 250 Jahren war die Antarktis unserer Zivilisation völlig unbekannt. In der Phantasie gab es viele Spekulationen über einen südlichen Erdteil. Von 1773 an drang James Cook 3x bis zum Packeis vor, ohne jedoch zu erkennen ob es darunter Land geben würde. 1819 entdeckte William Smith die Südlichen Shetlandinseln, kurze Zeit später wohl die Nordspitze der Antarktischen Halbinsel. Von Anfang an gab es bei den Entdeckungen Rivalitäten unter den Seefahrernationen. Fabian Gottlieb von Bellingshausen war im Dienste Russlands unterwegs. 1839 war eine der bedeutensten Entdeckungen durch James Clark Ross, nach dem das Rossmeer, das Ross Schelfeis und die Ross-Insel benannt wurde. Innerhalb von 4 Jahren machte er viele Entdeckungen, darunter die Possession Insel am 12. Jänner 1841. Der Vulkan Mount Erebus wurde nach seinem Expeditionsschiff benannt.

Das Interesse an der Antarktis erwachte wieder gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Ein belgisches Schiff blieb im Eis stecken und war dadurch das erste Schiff, welches in der AA überwinterte. Roald Amundsen war der 2. Offizier an Bord. Ein berühmtes Schiff war die “Southern Cross”, welche 10 Männer und 70 Hunde in der AA aussetzte. Francis Leopold McClintock war schon bei der Expedition von James Ross dabei. Er hatte in der Zwischenzeit Schlitten entwickelt, welche für die Anforderungen in der AA tauglich wären.

Das alles war die Vorgeschichte zum Leben von Robert Falcon Scott. Dieser verbrachte eine unbeschwerte Kindheit in einer großen Familie. Sein Vater verlor jedoch das Familien-vermögen und starb früh. Zusammen mit seinem Bruder sorgte er von da an für seine Mutter und seine Schwestern. Schulisch ergeizig und gut, gesellschaftlich war er eher im Hintergrund. Auf der Suche nach einer Karriere fand er die Faszination zur Forschung in den Polargebieten. Über die Marine-Laufbahn war er auf dem besten Weg dahin.

Was dann kommt, ähnelt dem Drehbuch eines modernen Filmes. Es war ein enormes Gerangel um die Besatzung der Expedition zum Südpol. Scott war in der engeren Auswahl, wurde aber bis zuletzt von Mitbewerbern herausgefordert. Ernest Shakleton, einer seiner Mitarbeiter, wurde dann wohl auch sein Rivale. Auf der Forschungsreise 1901 – 1904 mit der “Discovery” kamen Scott, Shakleton und Edward Wilson bis auf 450 km an den Pol heran. Fast humorvoll klingt die Einkaufsliste für diese Expedition. 815 kg Tabak und 1600 kg Kakao und Schokolade sind nur 2 Beispiele dafür. 47 Männer waren auf dem Schiff, trotz der jahrelangen Vorbereitung konnten sie weder Skifahren, noch waren sie geübt im Umgang mit Schlittenhunden. Auch gab es Streit und Uneinigkeit, Scott schickte Shakleton mit dem Versorgungsschiff “Morning” zurück.

Von 1907 bis 1909 unternahm Shakleton eine eigene Fahrt mit der “Nimrod” und kam dabei bis auf 180 km an den Südpol heran. Die Spannung stieg, wer nun als erster den Pol erreichen würde. Auch andere Länder unternahmen Anstrengungen, den Britten zuvor zu kommen.

Nach jahrelangen Vorbereitungen startete Scott 1910 mit dem Schiff “Terra Nova” seine letzte Fahrt in die AA. Bis ins Detail schildert die Autorin die täglichen Begebenheiten auf dieser Reise. Motorschlitten, Ponys und Schlittenhunde sollten ihnen helfen, es diesmal zu schaffen. Ein Motorschlitten versank bereits beim abladen in den kalten Fluten, die Ponys starben an der Kälte und Hunde hatten sie zu wenige dabei. So lag es wieder an der menschlichen Kraft, die Schlitten zu ziehen. Das Wetter war im Antarktischen Sommer 1911/1912 so schlecht wie nie zuvor und so war es nicht nur ein Wettlauf zum Südpol sondern auch eine Frage des Überlebens. Und tatsächlich, am 18. Jänner 1912 erreichten Robert Falcon Scott, Henry “Birdie” Bowers, Edgar Evans und Titus Oates den Pol. Doch überaus groß war die Enttäuschung, die Norwegische Fahne dort vorzufinden, welche Roald Amundsen bereits 1 Monat zuvor dort aufgestellt hatte.

Auf der Rückreise bemerkten die müden, hungrigen und verletzten Abenteurer einen Fehler, welche schon viele vor ihnen gemacht hatten. Es gab niemanden, der ihnen entgegenging um ihnen in ihrer Not zu helfen. Während auf der Hinreise alles so gut durchdacht war, waren sie auf dem Rückweg ganz auf ihre abnehmende Kraft angewiesen. Diese reichte leider nicht aus und so fanden Scott und seine tapferen Begleiter den eisigen Tod.

Das Buch ist faszinierend, eines der größten Abenteuer in der Erforschung der Erde. Wäre die Geschichte nicht so bekannt, würde man sich beim lesen bis zum Schluss das Überleben der Gruppe wünschen. 17 Originalaufnahmen von Herbert Ponting und anderen Teilnehmern ergänzen diese packende Erzählung. Auch ist das Buch eine Sammlung von Kurzbiographien, da die Autorin die Lebensgeschichten der meisten Teilnehmer recherchieren konnte.

Diana Preston konnte mit ihrem Mann Michael die Antarktis besuchen. 2 gescheiterte Fahrten zeigten ihr umso deutlicher die Gewalt der Wetterverhältnisse in der AA. Beim dritten Versuch war es möglich an Land zu gehen und die Hütte der Scott Expedition zu besuchen.

(kleo)

.

Advertisements