Die Waldenser

Gabriel Audisio

Die Waldenser

ISBN: 3-8289-4885-5

1130f

Die Anfänge der Waldenser gehen auf Pierre Waldes zurück und werden auf das Jahr 1170 datiert. Dieser P. Waldes gab seinen Reichtum ab und widmete sich ganz der Nachfolge Jesu Christi und der Verkündigung des Evangeliums. Armut und Predigt wurden sein Lebensstil und er fand schnell eine große Anhängerschaft. Wobei diese sich selber immer „Die Armen von Lyon“ nannten und ihnen die Bezeichnung „Waldenser“ ihnen zuerst von ihren Feinden gegeben wurden. 1180 bekamen sie die mündliche Erlaubnis von der Römisch Katholischen Kirche zum Predigen.

Doch bereits 1184 erfolgte die Verurteilung, das Schisma aufgrund ihres Ungehorsams der RKK gegenüber. Dann gab es noch 30 Jahre Frieden mit der RKK, da P. Waldes kein Anführer, nur Erstberufener war und es nur eine Regel, die des apostolischen Lebens im Dienst der Verkündigung zu führen, gab.

Die Armen von Lyon, wie sich die Waldenser selber nannten

  • Betrachteten sich selber als RK
  • Hatten selber keine Organisation
  • Waren Anti-Katharer (die Katharer waren in dieser Zeit die größte Opposition der RKK)
  • Wurden vom Volk und vom unteren Klerus als fromme Katholiken betrachtet
  • Führten keine theologischen Diskussionen sondern predigten die Umkehr.

1215 wurden sie beim 4. Lateranerkonzil doch der Häresie verurteilt. Waldes war schon gestorben und die Waldenser begannen sich zu organisieren. Die Verfolgung durch die RKK begann.

Im Vergleich zu den Dominikanern und Franziskanern lag es an Waldes selbst, dass seine Gruppe verurteilt wurde. Er war „Laie“ und wollte Laie bleiben.  Er wollte keinen Orden im Schoss der Kirche gründen. Die Elite der Gebildeten verurteilte ihn deswegen. Da ihre Macht in Gefahr stand, belächelten sie die Waldenser als „Unwissende und Ungebildete“.

Ab 1230 gab es in der Öffentlichkeit kein Wirken der Waldenser mehr. In dieser Zeit begann die Inquisition wirksam zu werden. Ein Instrument welches zuerst gegen die Albigenser (Katharer) eingesetzt wurde und ab 1231 auch gegen die Waldenser.

Ab 1230 auch die Ausdehnung in deutschsprachige Länder. Sehr starke Verfolgung gab es in Österreich von 1259 bis 1266. Ausdehnung bis nach Polen, z.B. Stettin.

„In Österreich gibt es mehr als 80.000 Häretiker, aber in Böhmen und Mähren ist ihre Zahl unendlich“ (Zitat eines Verfolgers).

Aufgrund der Verfolgung ergaben sich Änderungen:

  • Verlagerung von der Stadt auf das Land
  • Verlagerung von den ehemals Reichen zu den wirklichen Armen und weniger Gebildeten
  • Vom öffentlichen Predigen zu Versammlungen im Verborgenen

1360-1370 Verfolgung in der Steiermark durch Heinrich von Olmütz

1395 Verfolgung in der Steiermark durch einen gewissen Martin.

1368 Briefwechsel zwischen den italienischen und den österreichischen Brüdern – eines der wenigen internen Dokumente.

15 europäische Bibliotheken bewahren etwa 200 Manuskripte auf.

Interessante Quellen des Autors: Testamente, Eheschließungsurkunden, Namensregister, Verhörprotokolle, andere Bücher über die Waldenser.

Nach und nach haben die Armen von Lyon mehr kirchliche Sachen weggelassen und fanden eine noch größere Hinwendung zu biblischen Meinungen in allen Themen.

In Zeiten der Verfolgung konnten die Waldenser leicht ausfindig gemacht werden. Diejenigen, die keine Messen bezahlten und keine Ablassbriefe kauften, machten sich sofort verdächtig.

Anfang des 15. Jahrhunderts: Zusammentreffen der Waldenser mit den Hussiten. Die Waldenser in Böhmen verschmelzen mit den Hussiten und anderen zu den „Böhmischen Brüdern“, die es ja bis heute gibt.

Im 16. Jahrhundert waren es nur mehr die Prediger, die umherzogen um den Glauben der Gläubigen zu stärken. Die Bevölkerung war kaum noch von der katholischen zu unterscheiden.

Jetzt kommt das Zusammentreffen mit der Reformation.

  1. September 1532: Synode von Chanforan: Die Waldenser nehmen viele Lehren der Reformation an. Etwa 30 Jahrs später werden sie Reformatorische Gemeinden.

1561: Zum ersten Mal erlaubt ein katholischer Herrscher im Piemont seinen protestantischen Untertanen die Glaubensfreiheit. Offensichtlich nach dessen Tod ging die Verfolgung noch brutaler weiter, fast 300 Jahre lang bis zum Statut von 1848.

Während die Waldenser selber diesen Namen ablehnten, sich selber „die Armen von Lyon“ nannten, nahmen die protestantischen Nachfahren den Namen bewusst auf und bezeichneten ihre Kirche die Waldensische Kirche, welche bis heute noch besteht.

(kleo)

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